Abtreibungen im 19. Jahrhundert

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Die Geschichte zeigt, dass die Abtreibungen immer ein kontroverses Thema waren. Obwohl sie schon seit Jahrhunderten praktiziert werden, war es noch nie so universell als eine geeignete Option für den Umgang mit einer ungewollten Schwangerschaft in Betracht gezogen. Die meisten Menschen sind aus moralischen Gründen dagegen, und dieser Widerstand war schon immer weit verbreitet und nicht nur auf bestimmte Religionen oder Zeiträume in der Geschichte beschränkt. Die Abtreibung im 19. Jahrhundert war keine Ausnahme, und christliche Frauen, Frauen aus allen Klassen der Gesellschaft verließen sich auf die Abtreibung, um sich der ungewollten Schwangerschaft zu entledigen. Obwohl viele dieser Fälle geheim gehalten wurden und einige Details lückenhaft waren, konnten einige klare Fakten über die Angelegenheit überliefert werden.

Welche Methoden wurden dabei verwendet? In den 1800er Jahren standen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: Kräuter / Pflanzen, Chirurgie, Gift. Der Zugriff auf Gift und Pillen konnte nur eine einfache Fahrt zur Apotheke bedeuten. Die Chirurgie war ein wenig schwieriger und mit Risiken behaftet wie Medikamente und Anästhesie; sogar das Qualifikationsniveau der meisten Ärzte war rudimentär. In einigen Fällen entschieden sich die Frauen für scheinbar bizarre Methoden, die keine wissenschaftliche Begründung hatten und eine erfolgreiche Abtreibung nicht sicherstellen konnten. Das Einreiben von Schießpulver auf der Brust, Trinken von Tee aus rostigen Nägeln, oder Einweichen in heißen Bädern wurden allerorts auch praktiziert. Natürlich erwiesen sich manche Methoden erfolgreich, einige doch nicht und etliche waren geradezu verrückt.

Wie war die Einstellung der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts gegenüber Abtreibungen? In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Abtreibungen legal als Alternative zur Geburt eines unerwünschten Kindes angesehen. Erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts begann die Umwandlung in den Ansichten der Menschen über das Problem. Sowohl die Geburt als auch Abtreibung beschäftigten bis zu diesem Zeitpunkt nur Hebammen und Frauen. Doch die meisten männlichen Ärzte um die Mitte der 1800er fühlten sich nun durch diesen Umstand bedroht und wollten alle Arztpraxen monopolisieren. Sie starteten eine Kampagne zur Verbannung der Abtreibungen mit der Begründung, dass sie unmoralisch und gefährlich waren und nur von zugelassenen Ärzten in besonderen Fällen durchgeführt werden durften. Gesetze wurden verabschiedet, die eine Abtreibung nach den festgestellten “Fötusbewegungen” illegal einstuften und den Fötus als eine Person mit dem Recht auf Leben anerkannten. Allerdings gab es keine Möglichkeit, den Zeitpunkt festzustellen, wann genau eine Frau zum ersten Mal die Bewegung spürte, jedoch wurden diese Gesetze durchgesetzt. Die Abtreibungen wurden somit geregelt, und es war immer schwieriger für eine Frau, eine Genehmigung für die Abtreibung zu erhalten.